(15.03.2026) Bilder dieser Werkgruppe bewegen sich an der Grenze zwischen Erkennbarkeit und Auflösung. Auf den ersten Blick scheint nichts eindeutig dargestellt zu sein: keine klaren Gegenstände, keine vertrauten Szenen, keine erzählerischen Hinweise. Die Fotografien entziehen sich der Erwartung, etwas Bestimmbares zu zeigen. Statt Geschichten zu erzählen, erzeugen sie eine visuelle Erfahrung von Unsicherheit und Ambivalenz.

Zu sehen sind unscheinbare Materialien des Alltags: Verpackungspapier, Plastiktüten, Kartonagen in Grau-, Braun-, Schwarz- und Weißtönen. Diese Materialien häufen sich, falten sich ineinander und bilden fragile Gebilde. Ergänzt werden sie durch einzelne Kontrastobjekte – etwa Konservendosen, Filzstücke, Ping-Pong-Bälle oder Flaschen. Gemeinsam formen sie stille, beinahe idyllische Kompositionen. Unterschiedliche Oberflächen und Strukturen treten dabei in ein spannungsreiches Zusammenspiel von Licht, Schatten und Raum.

Die Inszenierungen erscheinen in stark reduzierter Beleuchtung: Ein schmaler Lichtspalt trifft auf die Materialformationen, während der übrige Bildraum im Dunkel verschwindet. Dieses Licht macht sichtbar und entzieht zugleich. Formen treten hervor, ohne sich vollständig preiszugeben – zwischen Andeutung und Verbergen.

Die Serie spielt mit der traditionellen Kompetenz des Stilllebens, Dinge präzise sichtbar zu machen. Hier jedoch wandeln sich fotografierte Gegenstände in Zustände. Formen, Strukturen und Lichtverhältnisse gewinnen Vorrang vor der Identifizierbarkeit des Objekts. Das Nicht-Konkrete wird sichtbar: ein Moment, in dem Gewissheit sich auflöst und Wahrnehmung instabil wird.

Die Werkgruppe versteht sich als ein weiterer Versuch, das Stillleben neu zu denken. Anstelle klassischer Motive – Blumen, Früchte oder Küchengeschirr – rückt ein „Nicht-Motiv“ ins Zentrum. Die verwendeten Materialien wirken wie Platzhalter, ergänzt durch einzelne Referenzobjekte, die entfernt an die Tradition der Stilllebenmalerei erinnern. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen kunsthistorischer Erinnerung und zeitgenössischer Abstraktion.

Die Gebilde wirken provisorisch und in Bewegung. Sie befinden sich in einem Übergangszustand zwischen Aufbau und Zerfall. Die Fotografien halten einen Moment fest, der weder Anfang noch Ende ist und Raum für Spekulation lässt. Die Bilder liefern Indizien, aber keine Antworten. Gerade in dieser Offenheit entfaltet sich ihre ästhetische Kraft: Schönheit entsteht im Zustand des Vagen.