Nach einer Anregung durch die fantastischen Arbeiten von Tanja Chimes ( www.tanja-chimes.de), die ich auf Instagram (@tanjachimes) und im Museum Boppard (@museumboppard) entdeckt habe. Mit Ihrem freundlichen Einverständnis greife ich Ihre Bildidee auf und erweitere sie mit den fotografischen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen. Für die Zusammenstellung „Der Sturz“ greife ich auf alte Arbeiten zurück und ergänze damit die neuen Arbeiten zur „schiefen Ebene“, um die die Geschichte des „Sturzes“ von Anfang bis Ende, von Ursache bis Wirkung zu erzählen. Es ist die Geschichte von Ordnung und Unordnung und vom Moment des Übergangs von einem Zustand in den Anderen.
Denn je nach Blickwinkel oder relativem Bezug erweist sich der Zustand von Ordnung als labil und ambivalent: Jede Ordnung trägt die Möglichkeit ihrer eigenen Auflösung bereits in sich. Vielfältige Formen von Struktur entstehen dort, wo einwirkende Kräfte ein temporäres Gleichgewicht bilden. Der Übergang von Ordnung zu Unordnung manifestiert sich folglich als dynamischer Prozess.
Was geschieht in jenem Moment, in dem dieses Gleichgewicht schwindet und die etablierte Konstellation ins Rutschen gerät? Lässt sich im Augenblick des Umschlags bereits antizipieren, was sich als nächstes formieren wird? Meine Arbeit widmet sich genau diesem kritischen Zustand – dem Augenblick des Balanceverlusts. Sie visualisiert einen diffusen äußeren Impuls als Auslöser der Veränderung und macht dessen Konsequenzen sichtbar. Die Fotografien zeigen Erscheinungsformen der Szenerie im Moment des Ordnungsverlustes.
Die Gegenstände, die ins Gleiten geraten, sind kunst- wie symbolgeschichtlich kaum codiert: Blechdosen, Geschirr, schwarzes Papier, weiße Plastiktüten. Es sind zeitlose Dinge alltäglicher Praxis und materieller Organisation. Lediglich die welken Blumen evozieren das Vanitas-Motiv, das die Serie als leises Echo durchzieht.
Die schiefe Ebene zitiert die Tischplatten und Präsentationsflächen der Stilllebenmalerei, auf denen sich Requisiten, Gefäße, Blumen oder Früchte zu kompositorischen Arrangements verdichten – sei es als moralische Allegorie, sei es als kontemplatives Schaustück. In meinen Bildern kippt diese Horizontlinie: Mit einer abrupten, nahezu performativen Geste räumt sie die präsentierten Dinge ab und schafft Raum für ein Anderes.
Auch die reduzierte Lichtführung ist der Tradition der Stilllebenmalerei entlehnt. Sie bündelt die Aufmerksamkeit im Vordergrund als Zentrum des Geschehens. Das weiche Szenenlicht modelliert Körperlichkeit und Materialität der Objekte und verleiht ihnen plastische Präsenz, während der übrige Bildraum in Dunkelheit zurücktritt.
Für diese Einreichung habe ich acht Arbeiten aus einer Serie von über einhundert Einzelmotiven ausgewählt. Sie verdichten den dynamischen Umschlag zwischen zwei Zuständen in besonderer Prägnanz. Weitere Fotografien zeigen andere Stadien dieser vielgestaltigen Transformation.











