Anläßlich der RüArt 2017 lädt mich „Vitra by Store R“ auf der Rüttenscheider Str. 163 (Essen) ein, meine Arbeiten zwischen den Designer-Möbel von Vitra zu präsentieren.  Aufgrund der großen Resonanz haben sich beide Partner nun entschlossen, die Bilderpräsentation über den RüArt-Zeitraum zu verlängern.  Zu sehen sind insgesamt 22 Arbeiten und ein Bildensemble mit 21 Fotos. Die Arbeiten entstammen unterschiedlichen Werkgruppen, die sich allesamt mit der Attraktivität des Alltäglichen und Banalen und mit dem Malerischen in der Fotografie auseinandersetzen. Die meist großformatigen Arbeiten passen sich kongenial in das Showroom-Ambiente des Vitra-Stores ein.

Die ausgestellten Fotografien stammen aus den Werkgruppen „Wandfarben“, „Sockenschuß“, „schwebende Knüller“, „Herbstfarben“ und „Hingucker“, die im letzten Jahr entstanden.

„Wandfarben“ widmet sich den Spuren des Gebrauchs, der Abnutzung und Verwitterung, die sich in Wandflächen, Hauswänden und Mauern eingegraben haben oder die als Kratzer, Schrammen, Abschürfungen auf Stahlplatten grafische und malerische Strukturen hinterlassen.

„Schwebende Knüller“ erzählen die Geschichte von geknülltem Papier auf dem Weg zum Papierkorb. Es ist die ironische Geschichte des Wertverlustes von Dokument zum Abfall.

„Sockenschuß“ greift die Bewegung der „schwebenden Knüller“ auf und macht sie sichtbar: ein zum Stoffballen geformtes Paar Socken bewegt sich eilig durch die Luft! Warum ist das ein Bild wert? Weil es bunt ist, dynamisch, detailreich und unwichtig.

„Hingucker“ sind „1 Euro“ – Ramschwaren, die eine „Kauf-Mich“-Appellstruktur besitzen und ein Versprechen äußern, das sie nur mühsam einhalten können: es ist schöner, fröhlicher, hilfreich, genussintensiver mit den Dingen, als ohne sie. Unsere Erfahrung aber lehrt etwas anderes.

Bei aller formalen und inhaltlichen Unterschiedlichkeit der Werkgruppen haben sie etwas gemeinsam: das Interesse am Banalen, am Alltäglichen, am irrelevanten Detail.

Die Fotos untersuchen die Schönheit des Unerheblichen, die Attraktivität des Unbeachteten oder den Reiz des Wertfreien.

Letzte Vorbereitungen für die Ausstellung „Möglichkeitsraum“ im Bürgerhaus Oststadt im Rahmen der Kulturwoche 2017. Schon am Freitag vorher haben Dieter Kunst (Organisator der Ausstellung) und ich die Bilder im Bürgerhaus aufgehängt und dabei, zusammen mit Frau Schimnatkowski, Leiterin des Bürgerhauses, die kleine Vernissage am Dienstag um 18.00 Uhr geplant. Sie bat mich, für die Ausstellung noch einen kleinen erläuternden Text zu schreiben, der auch für diese Seite gut geeignet ist.

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Möglichkeitsraum

Es gibt Garagen, die als Unterstellplatz für Autos dienen. Öffnet man das Garagentor, zeigt sich ein aufgeräumter, fast leerer Raum zur Unterstellen von Fahrzeugen, mit Winterreifen an der Wand und Lackpflege-Tuben im kleinen Regal rechts über Kopf.

Es gibt aber auch Garagen, die längst keine mehr sind. Öffnet man dort das metallene Tor, dann offenbart sich ein mehr oder weniger organisierter Abstellraum für alltägliche Gerätschaften, für Ausrangiertes, Vermisstes, längst Vergessenes oder zurzeit nicht Benötigtes.

Beides, sowohl das eine, als auch das andere Extrem, sind Räume mit Charakter. Sie sprechen Bände und geben Zeugnis über unser Geschick, mit Raum und Zeit individuell gestaltend umzugeben.

Die Ausstellung ist allen Garagen-Besitzern gewidmet, die für dieses Fotoprojekt ihr Garagentor öffneten und den Blick freigaben auf das angesammelte oder organisiert abgestellte Innenleben. Die Serie vergrößert sich bei neuer Gelegenheit und Bereitschaft, um die ich hiermit ganz herzlich werbe.

Bitte sprechen Sie mich an, falls Sie mir einen fotografischen Blick in Ihre Garagen gestatten wollen. Selbstverständlich erhalten Sie als Belegexemplar einen Sonderdruck Ihres Garagenfotos. Die spätere öffentliche Präsentation des Bildes bleibt immer anonym.

 

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Wheels…

… hieß die Ausstellung, die Bernd C. Dietrich (www.sandmaler.,de) erdachte und im Herbst 2015 realisierte. Er lud mich ein, mit ihm gemeinsam im Flaschenlager der Getränkefabrik Möller, Recklinghausen, diese außergewöhnliche Ausstellung zu realisieren. Grundidee war es, die große Lagerhalle für  fertig verfüllte Saftflasche und portionierte Auslieferungskästen als besonderen Ort für eine Präsentation zum Thema Bewegung und Energie, Malerei und Fotografie zu nutzen. Der Raum bot sich an, da in ihm, ganz Bewegung und Energie, täglich Massen von Flaschen, Kästen, Lieferpaletten zu Türmen und Gebirgen gestapelt, vorsortiert, manövriert, verladen und ausgeliefert werden. Eine Verschiebehalle, die sich täglich neu erfindet und keine feste Einrichtungsgestalt hat.

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Es versteht sich daher von selbst, dass eine länger dauernde Ausstellung zwischen den Kisten und Paletten nicht möglich war. Und das eine genaue Planung, wo was wie gehängt werden und beleuchtet werden kann, ebenfalls situativ entschieden werden musste. Es Graus für jeden Kurator.

Daher war es (in erster Linie für Bernd) auch ein ziemlicher Kraftakt, die Ausstellungswände zu fertigen, aufzustellen, anzustreichen, zu beleuchten und schließlich die richtigen Bilder an die richtige Stelle zu hängen.

Das Ergebnis aber konnte sich sehen lassen. An diesem außergewöhnlichen Ort gelang leider nur für ein Wochenende ein kurzweilige, spannende Präsentation von Malereien und Fotografien, die thematisch in einem inspirierenden und aufeinander verweisenden Dialog standen und dabei die Energie des Raums als „Grundrauschen“  spürbar machte.

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An dieser Stelle zeige ich nur eine kleine Bildauswahl, die ich in den nächsten Tagen erweitern werde.

Begonnen hat es mit der Überarbeitung der Herbstblätter. Durch die manuelle Entfernung der Blatt-Stängel entsteht der Eindruck, dass das Blatt über der Fläche zu schweben scheint.

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Nach Silvester lagen überall, wie gewöhnlich, die Reste der Silvester-Knallerei auf der Straße: Aufgerissene Pappröllchen, explodierte Raketen-Kracher und geplatzte Knallkörper, die wie Kordel-Bündel aussehen. Zeugen der großen nächtlichen Knallerei, Reste der immensen Geldvernichtung. Die Idee, diese Explosions-Reste einzusammeln und zu dokumentieren, kam mir leider zu spät. Der noch in der Silvesternacht einsetzende Dauerregen hat die Spuren verwischt und die Pappreste aufgeweicht.

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Dennoch, zwei Beispiele sind geblieben und die habe ich ähnlich ins Bild gesetzt, wie die Herbstblätter: schwebend. Gleichzeitig wirkt das Bild sehr dynamisch und macht die Wucht der Explosion nachvollziehbar.

Interessant wird es dann, wenn man dieses Prinzip auf alltägliche, banale Dinge überträgt, zum Beispiel ein Papiertaschentuch:

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… Vielfalt, Üppigkeit und Kraft der diesjährigen Herbst-Farben im späten Oktober hab ich mich spontan entschlossen, diese opulente Farbigkeit festzuhalten und genauer zu betrachten. Blatt für Blatt. Schon von Beginn an standen dabei die üblichen Herbstmotive mit ihren Klischees und Kitschigkeiten im Weg: Vanitas-Symbolik, Endzeitmotive, sentimentale Trauerstimmung drängen sich auf.

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Ich nahm das einzelne Blatt aus seinem landschaftlichen Kontext und legte es auf den Lichttisch mit undramatischer Beleuchtung. Sein Thema ist die Farbe des einzelnen Blattes, die grafische und malerische Struktur am Gegenstand, aber auch die Materialität des Blattes, die Skurrilität der Formen, wenn das Blatt welkt. Denn dann verdreht es sich, schrumpelt und kräuselt um die eigene Achse. Das zweidimensionale Blatt wird zum dreidimensionalen Körper mit Ausdehnung im Raum; es wird zur Skulptur.

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Dennoch: trotz eines sachlich-formalen Bildaufbaus bleibt „Herbstlaub“ ein Topos für Vergänglichkeit und Niedergang. Deshalb entschied ich mich für eine neue, widersprechende Inszenierung.

Zum einen verlasse ich mich nicht mehr auf die Bedeutung des Einzelbildes, sondern nutze die Unübersichtlichkeit der Menge: viele Einzel-Blätter, viel Laub, viel Farbe. Zum anderen wähle ich das Quadrat als Format der Serie und platziert das Herbstlaub prominent im Bildzentrum. All diese kleinen, quadratischen Bildflächen sind unterschiedlich hinterlegt mit knalligen, pastelligen, harten oder weichen Farben, mit oft komplementären Farbenflächen, die das gezeigte Einzel-Laub in eine gegenstandsfreie Umgebung versetzt.

Aus der Nähe wie auch mit Abstand betrachtet ergibt sich dadurch eine Frische und Buntheit, die der klischeehaften Tristesse des Herbstmotives kräftig widerspricht und stattdessen meine Begeisterung  über die Farbigkeit des Herbstes neu formuliert.

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Die Steeler Bürgerschaft lädt mich in die eigenen Galerieräume  im Steeler Stadtgarten ein, meine Fotos zu zeigen. Ich präsentiere 36 „wahlverwandte“, zum Teil großformatige Farbfotografien.

Die scheinbar beliebig zusammengestellten Motive treten in eine derartige Beziehung zueinander, dass sie etwas Neues erzeugen. Strukturelle Ähnlichkeiten, ästhetische Analogien, farbräumliche Nachbarschaften, motivische Vertrautheiten, anziehende Kontraste, assoziierte Verlängerungen oder magisch-anziehende Gegensätze. Merkwürdige Paarungen, Trilogien bis hin zu Quintette von Einzelbildern, die sich aufeinander beziehen wie Karten eines Quartetts oder wie komplementäre Farben und auf den Betrachter wirken wie ein Déjà-vu, überlagert von Wirklichkeit.

Das einzelne Bild mit seinem sorgsam gezeigten Motiv verliert seine primäre Botschaft. Das Dargestellte verändert sich zur bloßen Struktur, zum Muster, zur Flächenordnung, zum Farbraum oder zur formal organisierten Beliebigkeit. Es ist egal, was die Bilder ursprünglich zeigen, egal ob eine Wasserfläche, ein Schlauchstück, ein Besen oder Spuren im Schnee zu sehen sind. Alles wird gleichermaßen abstrakt und kontextlos.

Und mehr noch: Die Zusammenstellung der Bilder übersteigt den eigenen Bildraum, überspringt die Rahmengrenze und generiert einen neuen Kontext, z.B. eine formal durchlaufende Linienführung, eine vertraute Flächen-Struktur, einen lieblichen Farbraum oder eine assoziativ passende Musterung. Durch das bloße Nebeneinander der Bildmotive entsteht so etwas wie eine visuelle Erinnerung an etwas, das man kennt, schon mal gesehen hat oder als vertraut empfindet.

Okt. 2014

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Vorwort zum Foto-Buch:

Sichtbarkeit

Ein Krankenhaus-Trakt wird abgerissen. Radiologie, Notaufnahme, Labor, Intensivstation, Büros der Ärzte und Sozialräume der Mitarbeiter. Alles wird geräumt, geleert, demontiert und aufgelöst, um später an gleicher Stelle erneut aufgebaut zu werden.

Der Fotoband folgt der Grundidee, den Abriss des Gebäudes fotografisch zu begleiten. In drei Phasen wird dieser Auflösungsprozess, der fast ein Jahr dauert, festgehalten. Zuerst werden die Räume während des normalen Betriebs gezeigt, bevor dann der Auszug und Umzug beginnt: Regale werden geräumt, Kartons gepackt, technische Geräte demontiert und medizinische Möbel abgebaut. Schließlich übernimmt eine Abrissfirma den weitergehenden Rückbau. Baustoffe werden getrennt und Wertiges gesichert, Wände aufgeschlitzt, Kabelstränge gekappt, Leitungen getrennt und die Infrastruktur stillgelegt. Das Innerste nach außen. Die Räume sind außer Kraft gesetzt.

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Behandlungsräume, Wartezimmer, Untersuchungs- oder Pflegeräume sind auch immer Arbeitsplätze des pflegenden Personals, der Diagnostiker und Therapeuten. Profis in ihrer Werkstatt. Und auf der anderen Seite der leidende Patient, das unglückliche Opfer, der verletzte Mensch. Das Krankenhaus ist sowohl rationeller Funktionsraum helfenden Personals als auch höchst emotional und atmosphärisch besetzter Angstraum von Menschen in Not.

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Die zahlreichen Bilder versuchen, diese Wechselwirkung aufzuspüren und das Verschwinden der vergegenständlichten Raum-Atmosphären zu dokumentieren. Welche Stimmungen und ästhetische Ausstattungen besitzen diese Räume und was lässt sich zum Ende ihrer Nutzungszeit davon noch finden? Was bleibt? Das Sichtbarmachen steht im Zentrum dieses Buches. Und um das schwer Sichtbare besser erkennen zu können, erzähle ich die Geschichte des Vergehens von hinten und beginne mit dem Ende.

Anfang November 2013 lädt mich Malerfreund Bernd Caspar Dietrich zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt auf Zollverein ein. Thema der Präsentation sind die Schnittflächen, Gemeinsamkeiten, Synergien und spannungsreichen Differenzen, die sich aus dem Nebeneinander aus Malerei und Fotografie ergeben. In dem von Bernd C. Dietrich mit großem Arbeitseinsatz vorbereiteten Ausstellungsraum in Halle 6 zeigen wir vornehmlich großformatige Arbeiten.

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Die in dieser Ausstellung von mir präsentierten Fotografien aus drei unterschiedlichen Werkgruppen werden bei dieser Gelegenheit erstmalig gemeinsam gezeigt: „Zu Fuss“, „Pressungen“ und „Wandfarben“. Die drei Gruppen sind inhaltlich verbunden durch eine gemeinsame Arbeits- und Darstellungsweise und ein übergreifendes Interesse an malerischen Strukturen in banal-alltäglicher Umgebung.

Bei der letzten, aktuellen Werkgruppe („Wandfarben) werden Wände und wandartige Flächen aus Mauerwerk, Stahl, Holz und anderen alltäglichen Baumaterialien gezeigt, wie sie überall im urbanen Kontext zu finden sind. Zu sehen sind Wand-Ausschnitte von Hauseingängen, Tordurchfahrten, Brandmauern,  Abrisshäusern und Neubauobjekten, von steinernen Gartenzäumen, Werkstatthallen und Sichtbetonmauern.  Diese Ausschnitte präsentieren Flecken, Kratzer, Schrammen, Schimmel und Nässe, oder auch Farbspuren, Übermalungen, Abplatzungen, Materialschwächen und Arbeitsspuren.

Die wahren Größenverhältnisse lassen sich aus den Bildern nicht erschließen, da die Referenzgröße fehlt. Aus den Rillen, Rissen, Kratzern und Riefen lässt sich die tatsächliche Größe lediglich vermuten. Nur bei einem Teil der Fotos zeigen wieder erkennbare Gegenstände die tatsächlichen Größenverhältnisse.

 

Zur Ausstellung gibt es eine Dokumentation von Lutz Bierwirth, die einen Eindruck vermittelt:

https://www.youtube.com/watch?v=pjP3aK6At_k

Schön ist auch dieses gefilmte Gespräch

https://www.youtube.com/watch?v=9nnvvQuoHTo

 

Herbstzeit. Und jedes Mal, wenn’s soweit ist, bin ich begeistert von den Farben! Gelb, Nochgrün, Schonrot oder Endbraun. Die Sonne drauf: wunderschön.

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Die Farben und ihre Verwandlung: Baumabhängig, aber auch eine Farbabfolge. (Ein Biologe wüsste das wahrscheinlich virtuos zu bestimmen.)

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Und was liegt dann näher, entweder dauernd in die Baumkrone zu schauen, oder auf den Boden, wo die Blätter dann liegen in ihrer ganzen Farbenpracht.

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Und da zeigen sich dann nicht nur die tollen Farben, sondern auch die zusammengerollten, welken Blätter, die als kleine Skulpturen sich dem Niedergang entziehen und sich gegen den Laubbläser wehren. Wundervolle, einmalige Formen, Volumen, zerbrechliche Schalen.

 

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Garagen, ohne eingestellte Autos: Funktionsraum mit Restplatz für anderes. Für Abstellzeug, für Aussortiertes mit Restwert. Zu schade zum Wegschmeißen.  Kann man ja noch mal brauchen – Kram. Die Garage ist wie ein (Schuh-) Karton von der Form; Und das Garagentor – Vorhang auf- wie ein Bühnenvorhang: einmal hochgezogen gibt es jede Menge zu gucken. Erzählt wird von Persönlichkeiten, Vorlieben, Werten, Normen, von Identitäten, Irritationen, Konflikten und Ordnungen. Erzählt wird von Kreativität und Chaos, von Prioritäten, Strukturen und Plänen. Und davon, ob sie gelingen oder überhaupt realistisch sind. Visionen, Fiktionen, Fakten und Kompromissen. Abstellraum, Spielraum, Konzeptraum, Kompromissraum. Alles ist Garagenraum – die kleine Heimat. Die Garage als Symbol, als Metapher, als große Welt im Kleinen, als Fingerprint und Handlungs-DNS. Schwierig zu fotografieren, weil höchst privat, sehr intim, fast indiskret und übergriffig. „Meine“ Garage ! Nicht wegen „mein Auto“, wohl aber wegen „Mein Scheitern“ oder „Mein Erfolg“.

Ein paar Beispiele habe ich gefunden – Dank für die Freigabe! … und sammle weiter. Wer will, zeigt mir seine Garagen-Lösung. Diskretion wird garantiert!

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Die Idee ist eigentlich einfach: Schrottpakete, Schrottwürfel, gepresstes Material: Eisen, Stahl, Blech, Aluminium, aber auch Pappe, Stoff, Plastik. Das könnte ein gutes Bildmotiv sein. Aber wo wird das erzeugt? Wer presst das Material für die weitere Verarbeitung? Über 20 Firmen in der Region habe ich deshalb angeschrieben, um Auskunft und eventuell um Fotografier-Genehmigung gebeten. Aber die Rückmeldungen waren enttäuschend. Gerade die großen Unternehmen lehnten ab – aus welchen Gründen auch immer. Die kleineren zeigen Interesse, aber haben oft kein gepresstes Material.

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Dennoch gibt es auch nette Kontakte, überraschende Wendungen und freundliche, aufgeschlossene Einladungen. So bei einem großen Recycling-Unternehmen in Krefeld. Und deshalb fuhr ich an einem sonnigen, aber arg-kalten Januar-Tag auf den Platz, wurde überaus herzlich und interessiert empfangen und über den Platz geführt. Und was ich da sah, war absolut begeisternd.

Ein Rohstoff-Palast!

Riesig groß (60 Mitarbeiter) und sehr differenziert: unterschiedliche Metallsorten, -größen, -farben und -formen. Ein sehr professioneller, effizienter Platz und weit, meilenweit entfernt vom klassischen “Schrottplatz”. Hier wird eine mir völlig neue Art der Rohstoff-gewinnung höchst organisiert und rationell praktiziert. Dennoch hat der Platz eine ungeheure Ausstrahlung und Atmosphäre. Besonders an dem Tag meines Besuches. Ein kalter, aber sonniger Wintertag mit warmem Licht. Das kam dem, was ich zur Zeit suche, schon sehr entgegen. Farbe, Gewalten, Kräfte, aber auch bunte, flächige Strukturen am Rande der Wertlosigkeit. Sehr sehr toll. Ich werde den Platz bei anderem Licht erneut besuchen und die besten Ergebnisse in einem kleinen Buch zusammenstellen.

Wenige konkrete Formen, alles verliert Kontur, fließt weg, implodiert, kriecht in sich zurück. Nicht mehr zu erkennen, wo es herkommt und wohin es sich entwickelt.  Es löst sich auf und geht zu Ende.

Die Zeit zwischen den Jahren. Mit Mengen von Regen, Dauerregen. Niedrigen Wolken, Nebel, diesig.

Schmuddelwetter ist schön dagegen. Zeit für Depression, Tristesse. Ohne Antrieb, keine Lust, keine Inspiration, keine Idee, wie es weitergehen könnte.

Bestes Fotowetter. Zur Kamera greifen und los. Raus. Entsprechendes suchen, analoges finden. Auf dem Schrottplatz. Mein beliebtester Pausen-Raum. Hier finde ich immer was.

Kaum bin ich da, stellt sich Enttäuschung ein: der Platz ist leer. Alle Wracks sind abgeräumt. Kein gepresstes Vehikel in der Ecke. Die Rad- Lader parkten, die Müllcontainer sind voll. Kaum einer arbeitet. Kein Schrauber beim Ausschlachten. Wer sich blicken lässt ist auch schnell wieder verschwunden.

Auf den Rückweg entdecke ich das ausgebrannte Wrack mit den Farben des Tages und den Formen, die der Stimmung entsprechen. Auf meinem Schrottplatz gibt es immer was zu finden.

Für das Frühjahr suche ich eine Weiterentwicklung dieser Schrottmotive. Daher schreibe ich in diesen Tagen bereits diverse Schrott-Großhändler und  -Verwerter in der Region an, um eine Fotogenehmigung zu erhalten. Das Ergebnis ist nicht sehr aufbauend: Bisher gab es nur Absagen. Nette Briefe, freundliche Reaktion auf meine schriftliche Anfrage; aber negative Antwort: Eine Fotogenehmigung ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich…

Warum eigentlich nicht?

    

Ich dachte, das Thema ist durch. Mit “Straßenfotos” habe ich abgeschlossen und mache seit fast zwei Jahren keine Bilder für diese Werkgruppe mehr. Zu sehr haben sich die Motive gedoppelt, die Sichtweise nicht erweitert, verändert oder weiterentwickelt. Es kam kein neuer Aspekt mehr dazu. Das Thema ist ausgereizt und was ich zeigen wollte, ist inzwischen mehr als deutlich geworden. Es gibt neue Themen, die mindestens so interessant sind.

Und dennoch…

… gibt es zwischendurch wieder solche Details, wie dieses, das ich in den letzten Wintertagen in Köln gesehen habe. Und überhaupt: Köln ist eine üppige Fundgrube für derlei Straßenmalereien. Besonders im Winter, wenn es matschig wird. Ich liebe es, nach Köln zu fahren und durch Zufall, fast beiläufig, auf diese Prächtigkeiten zu stossen. Und dann gibt es doch wieder eine kleine Fortsetzung der Bilderserie “Zu Fuss”.

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Die Gruppenausstellung „Mit meinem Auge“ im Atelierhaus „Alte Schule“ in Essen-Steele ist nun leider vorbei. Am 21.11. schlossen sich die Türen. Schade, denn es war eine sehr interessante Präsentation mit Bildern von 8 Fotografen des Ruhrgebiets: Ulrike Harbach, Thomas Bocian, Peter Liedtke, Manfred Vollmer, Georg Schreiber, Dieter Kunst und Michael Krämer.

Ich präsentierte 7 großformatige Bilder aus der Werkgruppe „Wandfarben“. Es war eine interessante und spannende Erfahrung, erstmalig und speziell für diese Räume dieses Großformat (1,20 m x 1,80m) zu wählen. Wie ein guter Rotwein, der Platz, Zeit und Luft braucht, um seinen Geschmack voll entfalten zu können, so brauchen auch die Bilder dieser Werkgruppe ein großes Präsentationsformat, um die volle Pracht entwickeln zu können,

Die Bilder wirkten auf den Wänden sehr beeindruckend und faszinierend. Die Farben, die abgebildeten Strukturen, Kratzer und Materialbeschaffenheiten wirkten sehr plastisch und dynamisch. Für viele Betrachter war es nahezu überraschend zu erfahren, daß es sich bei den Bildern nicht um Gemälde handelte.

Aber nun ist die Ausstellung vorbei und die Kollegen haben ihre Arbeiten schon abgeholt. Heute war ich an der Reihe: Bilder abhängen, einpacken und transportbereit machen. Nicht ohne ein wenig Melancholie, denn diese Ausstellung war für mich eine sehr erfahrungsreiche Zeit und eine intensive Auseinandersetzung mit den Thema „fotografische Positionen“ und den Arbeiten der Kollegen.

Mein Dank gilt Dieter Kunst, der mit unbeschreiblichem Engagement diese Ausstellung konzipiert und organisiert hat; und der Steeler Bürgerschaft und Eddy Schreyer, die für die finanzielle Unterstützung gesorgt haben.

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Während des großen Flugfestes (12.10.2012) zum Abschluß des Drachenkunst-Projektes von Akki auf der Oberkasseler Rheinwiese habe ich durch Zufall dieses Motiv entdeckt, das sich nahezu nahtlos einreihen läßt in die bereits vorhandene Sammlung abstrakter Farbflächen und malerischen Strukturen. Die Gegenstände werden unwichtig, Flächen und Farbräume rücken in den Vordergrund. Die Proportionen lösen sich auf. Der Bildraum bleibt flächig. Alles bleibt auf gleicher Ebene. Nur die Fraben eröffnen Räume.

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Mit meinem Auge

„Mit meinem Auge“ ist der Name der Gruppen-Ausstellung, auf die ich mich zur Zeit intensiv vorbereite. Zusammen mit bekannten Fotografen wie Peter Liedtke, Manfred Vollmer, Ulrike Harbach, Michael Krämer, Dieter Kunst, Georg Schreiber und Thomas Bocian stelle ich ab 19.Oktober bis zum 21.November im Atelierhaus Alte Schule, Essen-Steele, aus. Ich werde sieben großformatige Bilder aus der Serie „Wandfarben“ zeigen. Jedes Bild hat das Format 120 x 180 cm. Alle zusammen werden aber hoffentlich nicht nur wegen der Größe einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Dieter Kunst hat die Ausstellung mit einem sehr beeindruckenden Engagement organisiert. Eröffnet wird sie am Freitag, 19.Oktober um 19.00 Uhr mit einer kleinen Einführung von Dr. Johannes auf der Lake, Kurator des Kunstvereins „Malkasten“ in Düsseldorf.

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19.10. – 21.11.2012

Atelierhaus Alte Schule, Äbtissinsteig 6, Essen Steele,

Öffnungszeiten: Mi & Fr 16.00 – 19.00 Uhr, Sa & So: 15.00 – 18.00 Uhr.

Ich hab in der Galerie eine neue Werkgruppe eingestellt.

Sie zeigt verblüffend fotogene, malerische Strukturen im fließenden Übergang vom konkreten zum abstrakten, vom fotografischen zum malerischen, vom absichtlichen zum zufälligen Fundstück.

Wo? Tordurchfahrten, Garagenwände, Abbruch- und Sanierungsobjekten, Brandmauern, freistehendes Mauerwerk, ehemalige Fußböden, Außenwände, unbefestigte Bodenflächen und Mauersockel.

Was? Kratzer, Schrammen, Flecken, Feuchtigkeit und Wasserstellen in der Wand, Ablagerungen und Restmaterial, Moosbewuchs, Farbspuren, Verfärbungen und Putzabplatzungen, Verwitterungen.

Die Bilder zeigen Details, die überall auftreten, wo Verwitterung und Nutzung passieren, wo Arbeits- und Gebrauchsspuren auftreten, wo der Zahn der Zeit nagt. Die Details sind meist ohne Proportion und Maßstab und können deshalb ein Eigenleben entwickeln, das alltäglich existiert und unbeachtet bleibt.

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Ich hab in folgende Werkgruppen neue Bilder importiert:

3 x Schläuche; 3 x Fundort Stadt; 2 x Arbeitsplätze; 8 x Schnürungen

Zu Fuß “ist eine kleine Auswahl von Straßenfotos“, die in den letzten Jahren entstanden sind. Die Werkgruppe ist als Buch im Selbstverlag, aber auch als App für ipad und iphone veröffentlicht worden.

Unter http://itunes.apple.com/de/app/id434814232?mt=8 kann man das Fotobuch fürs Handy downloaden (0,79 €)

Eine Auswahl dieser Straßenfotos ließ sich auch als „echte“ Bilder besichtigen in der Präsentation meiner Bilder:

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5.11. – 3.12.2011

Aktionsraum „ohne Titel“
Behrenstr. 10
40233 Düsseldorf – Flingern

weitere Infos unter www.vantreeckweb.de